Illustration: Bodenschleifmaschine mit Absaugung auf schwarzem Kleber

Der schwarze Kleber unter den Platten

Die Platten sind das, was man sieht. Der Kleber ist das, was bleibt. Und er ist häufig selbst asbesthaltig – auch wenn die Platten längst weg sind.

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Fachbetrieb im Hintergrund

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Was ist das für ein Kleber?

Vinyl-Asbest-Platten wurden fast ausschließlich mit Bitumen- oder Teerklebern verlegt: schwarz, zäh, lösemittelhaltig, bei Raumtemperatur fest, bei Wärme weich. Der Handwerker strich ihn mit der Zahnspachtel auf den Estrich, legte die Platten ein, fertig. Nach fünfzig Jahren ist er hart, glänzend, riecht beim Anwärmen teerig und lässt sich mit dem Spachtel nur in Splittern abschlagen.

Zwei Dinge machen ihn zum Problem: Erstens enthielt er häufig selbst Asbest – als Verdickungsmittel, im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Zweitens muss er weg, bevor ein neuer Boden kommt, und das geht nur durch Schleifen. Schleifen ohne Absaugung ist die staubintensivste Arbeit der ganzen Sanierung.

Ist schwarzer Kleber immer asbesthaltig?

Nein, aber häufig genug. Bitumenkleber wurden mit und ohne Asbest hergestellt, teils vom selben Hersteller im selben Jahr, und sie sind optisch nicht zu unterscheiden. Die Konsequenz: Bis eine Laborprobe das Gegenteil zeigt, ist schwarzer Kleber unter Belägen von 1955 bis 1985 als asbesthaltig zu behandeln. Bei der Probe wird deshalb immer auch der Kleber beprobt – und nicht nur die Platte.

Schwarzer Bitumenkleber offen auf dem Estrich
Echtes Foto: Schwarzkleber nach dem Plattenausbau
Alter Bodenbelag mit Kleberesten
Echtes Foto: Kleberreste unter altem Belag

Restkleber: Die Platten sind weg, der Kleber nicht

Die häufigste Situation bei Hauskäufen: Irgendwann in den 1990ern hat jemand die Platten herausgerissen, den Kleber gelassen und Teppich darüber verlegt. Heute liegt der schwarze Kleber wie ein wolkiger Anstrich auf dem Estrich, seit dreißig Jahren unbemerkt. Der Fachbegriff dafür lautet Restfaserbindemittel – und es gilt genau dasselbe wie für Platten mit Kleber: beproben, bei positivem Befund fachgerecht abtragen. Ohne Platten ist der Aufwand sogar etwas geringer, weil der Ausbauschritt entfällt.

Warum man den Kleber nicht überspachteln darf

Der Klassiker: Platten raus, Ausgleichsmasse auf den Kleber, neuer Boden drauf. Das ist aus zwei Gründen vorbei. Rechtlich verbietet die Gefahrstoffverordnung seit Dezember 2024 Überdeckungsarbeiten an asbesthaltigen Materialien grundsätzlich. Technisch hält es nicht: Zementäre Ausgleichsmassen haften auf Bitumen nicht dauerhaft, der Kleber wandert bei Wärme, der neue Boden löst sich oder wirft Wellen. Der Kleber muss vollständig runter, bis der Estrich sauber ist.

Wie wird der Kleber abgetragen?

Mit einer Bodenschleifmaschine, an die ein Industriesauger der Staubklasse H angeschlossen ist – das ist der Kern des anerkannten emissionsarmen Verfahrens BT 33.7. Die Maschine trägt den Kleber in dünnen Lagen ab, die Haube umschließt die Scheibe, der Staub wird direkt an der Maschine abgesaugt, bevor er den Raum erreicht. Der Bereich ist abgeschottet, die Abluft wird gefiltert. Ecken und Ränder werden mit dem Handschleifer nachgearbeitet. Danach: Feinreinigung, Freimessung, und ein Estrich, auf dem der Bodenleger meist ohne zusätzliche Ausgleichsmasse verlegen kann. Die Sanierung selbst: Asbestbodenprofi – Asbestkleber entfernen.

Kleber auf Holz, Gussasphalt, Anhydrit

Nicht jeder Untergrund lässt sich schleifen. Auf Holzdielen frisst sich die Maschine ins Holz – hier wird meist die oberste Dielenschicht mit ausgebaut. Gussasphalt ist selbst bitumenhaltig und vom Kleber kaum zu trennen; die Probe entscheidet über die Grenze. Anhydrit- und Magnesiaestriche sind weich und müssen vorsichtiger bearbeitet werden. Der Fachbetrieb legt das Verfahren vor dem Angebot fest.

Andere Kleber, die Asbest enthalten können

Schwarz ist der Klassiker, aber nicht der einzige Verdächtige:

KleberFarbeLag unterVerdacht
Bitumen-/Teerkleberschwarz, dunkelbraunFloor-Flex, Parkett, PVC-Plattenhoch
Dispersionsklebergelb, beige, hellbraun, sprödeTeppich, Nadelfilz, PVC-Bahnenmittel bis hoch
Neoprenkleberbraun, rotbraun, gummiartigLinoleum, Gummi, Treppenmittel
Moderne Dispersionskleberweiß, elastischBeläge nach 1990gering

Häufige Fragen

Häufig ja – Bitumen- und Teerkleber enthielten oft Asbest als Verdickungsmittel. Es gab sie aber auch ohne, optisch nicht unterscheidbar. Bis zum Laborbefund als asbesthaltig behandeln.

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